Stadtmuseum für Literatur
am Oberrhein (im Prinz-Max-Palais), Karlstr.
10, Karlsruhe
Wer ist
Mori Ogai? Vor 2 Jahren konnte ich diese Frage auch noch nicht beantworten.
Da-mals wurde uns erstmals eine Wanderausstellung der Mori-Ogai-Gedenkstätte,
Berlin angebo-ten. Frau Matsushima-Fritz war gleich begeistert: "Mori
Ogai - einer der größten Schriftstel-ler, der Goethe Japans, in Japan
kennt ihn jedes Kind!"
Mir dieser Begeisterung wandten wir
uns an den Leiter des Museums für Literatur am Ober-rhein, Prof.
Schmidt-Bergmann. Dies war der Beginn einer erfreulichen Zusammenarbeit.
Auch Prof. Schmidt-Bergmann konnte sich auf anhieb für dieses exotische
Thema erwärmen. Nach einigen Terminschwierigkeiten machte sich das
Team des Literaturmuseums, allen vor-an Herr Keller, an die Arbeit.
Die professionelle Organisation war für uns sehr erfreulich. Wir
übernahmen "nur" die Gestaltung der Ausstellungseröffnung und des
Beiprogramms.
Mit bangem
Erwarten blickten wir der Ausstellungseröffnung entgegen: wie viele
Leute wür-den sich in Karlsruhe für ein so elitäres Thema interessieren?
Die Resonanz überraschte - über 50 Personen erschienen.
Sie wurden nach den Begrüßungsworten von Prof. Schmidt-Bergmann
und Frau Matsushima-Fritz, mit einem sehr guten und ausführlichen
Vortrag von Prof. Wolfgang Schamoni vom Japanologischen Seminar
der Uni Heidelberg belohnt. Prof. Schamoni ist ein profunder Ken-ner
Ogais. Er hat etliche seiner Werke aus dem Japanischen übersetzt.
Er stellte uns nicht nur Mori Ogai als einen unglaublich fleißigen
Arzt und Schriftsteller (Gesamtwerk 38 Bände) vor, sondern machte
uns anhand der präzisen Beobachtungen Ogais auch die Lage Ende des
19.Jahrhunderts in Japan und Deutschland klar. In dieser Zeit befand
sich Japan in einem großen Umbruch. Man machte sich auf den Weg
aus einer mittelalterlichen Ständegesellschaft in die Neuzeit. Um
vom Westen zu lernen, wurden die besten Studenten nach Europa und
USA geschickt.
Wie diese
jungen Männer, die von den Regeln und Werten der Samuraitradition
geprägt waren, mit dem für sie unglaublich lockeren Leben im Westen
zurecht kamen, konnte man auch in dem Film "Die Tänzerin" sehen, der
am 11.4.02 im Rahmen des Beiprogramms gezeigt wurde. Der Film beruht
auf der Erzählung "Maihime" und schildert anschaulich wie ein junger
Japaner im Berlin von 1890 lebt und leidet, und sich letztendlich
doch für die Ehre und das Vaterland entscheidet. Die Besucher dieses
Videoabends konnten sich anschließend noch besonderer Leckerbissen
erfreuen: Frau Csizmazia und Frau Dorner hatten viel Platten mit leckeren
Sushi vorbereitet, bei denen das diskutieren über den Film viel mehr
Freude machte.
Wenn Sie nun Lust bekommen haben sich auch mit Mori Ogai zu beschäftigen:
einige seiner Bücher sind in der Badischen Landesbibliothek auszuleihen,
und "Die Tänzerin" wurde erst 1999 neu aufgelegt und ist im Buchhandel
erhältlich.