Tako - Japanische Flugdrachen
 
vom 23.September bis 29.Oktober 2000
 
Im Staatl. Naturkundemuseum am Friedrichsplatz in Karlsruhe
 
 
Flugdrachen - klicken zum vergrößern
  Ein großer Erfolg war die Ausstellung von 77 japanischen Flugdrachen aus dem Besitz von Herrn Masami Takakuwa ( Nihon no Tako no Kai ). Die Ausstellung stieß auf große Resonanz in der Öffentlichkeit. Es gab eine Reihe von Presseberichten, daneben brachte der Rundfunk in seinem 4.Programm einen Kurzbericht, ebenso BadenTV.
  Insgesamt besuchten fast 9000 Leute in den 5 Wochen das Staatl. Museum für Naturkunde am Friedrichsplatz . Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres von 10 Prozent. Die Workshops für Kinder und Erwachsene waren in kurzer Zeit ausgebucht, sodaß wir nach Abreise von Herrn Takakuwa noch zusätzliche Kurse in eigener Regie durchführten. Gerne hätte das Museum die Ausstellung wegen des großen Erfolgs verlängert. Dies war aber nicht möglich, da Herr Takakuwa die Drachen zum Jahresende wieder brauchte.
  Drachen wurden vor ca. 2000 Jahren in China erfunden. Etwa im 7.Jahrhundert gelangten sie nach Japan. Dort durchliefen sie eine enorme Entwicklung, da es in Japan die bestens geeigneten Materialien Papier, Bambus und Hanfgarn gab. Es wurden in den verschiedenen Regionen Japans dem jeweiligen Landstrich und Klima entsprechende Drachen entworfen. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so unglaubliche Vielfalt an Drachen wie in Japan. Man spricht heute von über 300 verschiedenen Arten. Obwohl die Verstädterung in Japan rasant fortschreitet, und damit die Zahl der freien Flächen um Drachen steigen zu lassen stetig abnimmt, gibt es heute in allen Regionen Japans Drachenclubs und Hobbydrachenbauer. Das ganze Jahr über finden im ganzen Land zahlreiche, regionale Drachenfestivals statt.
 
Japanische Drachen
  Drachen in Japan - eine Übersicht wichtiger Drachenstile.
  Eine größere Darstellung des Posters kann als pdf geladen werden: Drachenposter2000.pdf (335 KB)
   
  Ursprünglich wurden Drachen militärisch genutzt. So gibt es die Geschichte vom chinesischen General Han, der einen Drachen benützte um die Entfernung zu einer Festung zu messen, die er einnehmen wollte. Mit Hilfe der markierten Drachenschnur maß er die Entfernung und baute einen Tunnel, der bis in den gegnerischen Burghof führte.
  In Japan dienten die Drachen aber auch religiösen Zwecken, wie um bestimmte Götter gütig zu stimmen, für eine gute Ernte zu bitten, oder sich für diese zu bedanken. Es war auch zeitweise üblich Eltern einen Drachen zu schenken anlässlich der Geburt ihres ersten Sohnes. Ein bevorzugter Anlass zum Drachensteigen war das Neujahrsfest. Hier wurde den Göttern für die Erfolge des alten Jahres gedankt, und für das neue Jahr ebensolche erbeten.
  Mehr und mehr wurde Drachensteigen zu einem Volkssport. Beliebt waren auch Drachenkämpfe. Dazu wurden die Drachenschnüre mit Glassplitter beklebt, und man musste versuchen, die gegnerische Schnur durchzuschneiden. Im 17. und 18.Jahrhundert war das Drachensteigen so populär in Japan, dass es zeitweise sogar verboten wurde, weil die begeisterten Massen Reisfelder niedertrampelten. Eine andere Erklärung für das Verbot ist allerdings, dass die Leute die Drachen bevorzugt über die Besitzungen der Adligen steigen ließen, und diese sich davon gestört fühlten.
  Daneben gab es Wettbewerbe möglichst große, flugfähige Drachen zu bauen. So wurde 1901 in der Stadt Yokaichi ein Drachen von 18 Quadratmetern gebaut. Er wog über 1000 kg und man brauchte 215 Leute um ihn steigen zu lassen. In der Neuzeit ließ die Begeisterung aber spürbar nach, was auch auf die Umstellung auf den westlichen Kalender zurückzuführen ist. Denn nun lag der Neujahresbeginn nicht mehr im windreichen Frühjahr. So nahm die Zahl der professionellen Drachenbauer stetig ab. An ihre Stelle traten aber begeisterte Hobbydrachenbauer, die die alte Kunst weiterleben lassen. Nach dem 2.Weltkrieg entstanden eine große Zahl moderner Drachenfestivals. Diese werden hauptsächlich aus Freude am Drachensteigen abgehalten. Man bewundert die Drachen und schließt Freundschaften mit anderen Drachenliebhabern aus aller Welt.
  Takakuwa Masami  

1969 wurde die Nihon Tako no Kai - die japanische Drachengesellschaft gegründet, deren Mitglied Masami Takakuwa in dieser Ausstellung seine Drachen zeigte und Workshops durchführte.

Masami TAKAKUWA (Jg.1936) ist pensionierter Ingenieur und seit über 25 Jahren Drachenbauer. Sein Hobby führte in allein dieses Jahr bereits nach Indien, in die Türkei und nach Frankreich. Er hat für seine kreativen Drachen mehrere Preise gewonnen. In seiner Heimatstadt Yokohama unterrichtet er jedes Jahr ca. 400 Interessierte im Drachenbau. In letzter Zeit hat er sich auf große Edodrachen spezialisiert.

 

 
Dr.E.Paur