Im Staatl. Naturkundemuseum am
Friedrichsplatz in Karlsruhe
Ein großer
Erfolg war die Ausstellung von 77 japanischen Flugdrachen aus dem
Besitz von Herrn Masami Takakuwa ( Nihon no Tako no Kai ). Die Ausstellung
stieß auf große Resonanz in der Öffentlichkeit. Es gab eine Reihe
von Presseberichten, daneben brachte der Rundfunk in seinem 4.Programm
einen Kurzbericht, ebenso BadenTV.
Insgesamt
besuchten fast 9000 Leute in den 5 Wochen das Staatl. Museum für Naturkunde
am Friedrichsplatz . Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum
des Vorjahres von 10 Prozent. Die Workshops für Kinder und Erwachsene
waren in kurzer Zeit ausgebucht, sodaß wir nach Abreise von Herrn
Takakuwa noch zusätzliche Kurse in eigener Regie durchführten. Gerne
hätte das Museum die Ausstellung wegen des großen Erfolgs verlängert.
Dies war aber nicht möglich, da Herr Takakuwa die Drachen zum Jahresende
wieder brauchte.
Drachen
wurden vor ca. 2000 Jahren in China erfunden. Etwa im 7.Jahrhundert
gelangten sie nach Japan. Dort durchliefen sie eine enorme Entwicklung,
da es in Japan die bestens geeigneten Materialien Papier, Bambus und
Hanfgarn gab. Es wurden in den verschiedenen Regionen Japans dem jeweiligen
Landstrich und Klima entsprechende Drachen entworfen. Nirgendwo sonst
auf der Welt gibt es eine so unglaubliche Vielfalt an Drachen wie
in Japan. Man spricht heute von über 300 verschiedenen Arten. Obwohl
die Verstädterung in Japan rasant fortschreitet, und damit die Zahl
der freien Flächen um Drachen steigen zu lassen stetig abnimmt, gibt
es heute in allen Regionen Japans Drachenclubs und Hobbydrachenbauer.
Das ganze Jahr über finden im ganzen Land zahlreiche, regionale Drachenfestivals
statt.
Drachen
in Japan - eine Übersicht wichtiger Drachenstile.
Eine größere
Darstellung des Posters kann als pdf geladen werden: Drachenposter2000.pdf
(335 KB)
Ursprünglich
wurden Drachen militärisch genutzt. So gibt es die Geschichte vom
chinesischen General Han, der einen Drachen benützte um die Entfernung
zu einer Festung zu messen, die er einnehmen wollte. Mit Hilfe der
markierten Drachenschnur maß er die Entfernung und baute einen Tunnel,
der bis in den gegnerischen Burghof führte.
In Japan
dienten die Drachen aber auch religiösen Zwecken, wie um bestimmte
Götter gütig zu stimmen, für eine gute Ernte zu bitten, oder sich
für diese zu bedanken. Es war auch zeitweise üblich Eltern einen Drachen
zu schenken anlässlich der Geburt ihres ersten Sohnes. Ein bevorzugter
Anlass zum Drachensteigen war das Neujahrsfest. Hier wurde den Göttern
für die Erfolge des alten Jahres gedankt, und für das neue Jahr ebensolche
erbeten.
Mehr und
mehr wurde Drachensteigen zu einem Volkssport. Beliebt waren auch
Drachenkämpfe. Dazu wurden die Drachenschnüre mit Glassplitter beklebt,
und man musste versuchen, die gegnerische Schnur durchzuschneiden.
Im 17. und 18.Jahrhundert war das Drachensteigen so populär in Japan,
dass es zeitweise sogar verboten wurde, weil die begeisterten Massen
Reisfelder niedertrampelten. Eine andere Erklärung für das Verbot
ist allerdings, dass die Leute die Drachen bevorzugt über die Besitzungen
der Adligen steigen ließen, und diese sich davon gestört fühlten.
Daneben
gab es Wettbewerbe möglichst große, flugfähige Drachen zu bauen. So
wurde 1901 in der Stadt Yokaichi ein Drachen von 18 Quadratmetern
gebaut. Er wog über 1000 kg und man brauchte 215 Leute um ihn steigen
zu lassen. In der Neuzeit ließ die Begeisterung aber spürbar nach,
was auch auf die Umstellung auf den westlichen Kalender zurückzuführen
ist. Denn nun lag der Neujahresbeginn nicht mehr im windreichen Frühjahr.
So nahm die Zahl der professionellen Drachenbauer stetig ab. An ihre
Stelle traten aber begeisterte Hobbydrachenbauer, die die alte Kunst
weiterleben lassen. Nach dem 2.Weltkrieg entstanden eine große Zahl
moderner Drachenfestivals. Diese werden hauptsächlich aus Freude am
Drachensteigen abgehalten. Man bewundert die Drachen und schließt
Freundschaften mit anderen Drachenliebhabern aus aller Welt.
1969 wurde die Nihon
Tako no Kai - die japanische Drachengesellschaft gegründet,
deren Mitglied Masami
Takakuwa in dieser Ausstellung seine Drachen zeigte und Workshops
durchführte.
Masami TAKAKUWA (Jg.1936) ist pensionierter Ingenieur
und seit über 25 Jahren Drachenbauer. Sein Hobby führte in allein
dieses Jahr bereits nach Indien, in die Türkei und nach Frankreich.
Er hat für seine kreativen Drachen mehrere Preise gewonnen. In seiner
Heimatstadt Yokohama unterrichtet er jedes Jahr ca. 400 Interessierte
im Drachenbau. In letzter Zeit hat er sich auf große Edodrachen
spezialisiert.